David Kretschmer - der Spiegel-Illusionist

Veröffentlicht auf von Photomania

   Aldous Huxley meinte einmal "Nichts bewahrt uns so gründlich vor Illusion wie ein Blick in den Spiegel." Das er mit dieser Aussage nicht immer ganz richtig liegt beweist die Fotoserie Mirros des Fotografen David Kretschmer. In seiner mehrfach ausgezeichneten Bilderserie gibt er uns durch gekonnte Postproduction der Illusion hin wir betrachten direkt einen Menschen beim Blick in den Spiegel. Wie viel Arbeit in der wirklich meisterhaft gelungenen Fotoserie steckt erfahrt ihr im Making Of.

 

Das Making of von Mirros

 

Die Idee zu Mirros war bereits während einer früheren Fotoarbeit entstanden. Seine Fotostrecke begann David jedoch nicht mit einer reinen Idee und auf blauen Dunst sondern mit einem ausgeklügelten Konzept, in dem Thema, Look, Formate etc. festgehalten wurden. Mit dem Konzept als Basis konnte es losgehen. Für das Projekt stand das Studio von Erwin Olaf zur Verfügung bei dem David zur Zeit der Entstehung der Aufnahmen als Assistent tätig war. Jetzt mussten alle Vorbereitungen getroffen werden: die Modelle gecastet und die Requisiten fürs Set besorgt werden. Das Casten war eine Herausforderung, weil spezielle besondere Typen gesucht wurden und auch das Set schien bei dem kleinen zur Verfügung stehenden Budget eine Herausforderung zu sein. Der Flohmarkt in Amsterdam zeigte sich zum Glück jedoch als wahre Schatzgrube, hier fand David alles was er benötigte: diverse verspiegelte Badezimmerschränke, Badezimmermöbel, Hygieneartikel uvm. Gebrauchte alte Fliesen ersteigerte David bei Ebay oder kaufte in Bauteilebörsen. Setvorbereitungen und Casting fraßen eine Menge Zeit.

 

Zu allem Wohl oder Übel hatte David auch noch nebenbei sein Konzept beim Canon Profifoto Förderpreis eingereicht und er gewann! Das setzte ihn ganz schön unter Zeitdruck, seine ersten 3 Aufnahmen sollten in die Visual Gallery der Fotokina ausgestellt werden und die startete in Deutschland in 12 Tagen. Trotz seiner laufenden Assistenztätigkeit bei Erwin Olaf und einer großen zeitintensiven Kampagne für Luis Vuitton schafft David es mit ganz viel Unterstützung des Studioteams, die fehlenden Modelle zu casten, das Set zu bauen (in 2 Tagen) und zu fotografieren (ebenfalls 2 Tage).

 

Die Mirros-Aufnahmen wurden in 2 Schritten realisiert. Schritt 1: Alle Einzelperson wurden vor einem gefliesten Badezimmerhintergrund fotografiert. Schritt 2: Der Spiegel an der gefliesten Wand zu dem dazugehörigen Badezimmer wurde fotografiert. Beide Einzelaufnahmen wurden anschließend in der Postproduction zusammengefügt und damit sie realer wirkten mit Staub, Fingerabdrücken und Spiegelspritzern auf der Spiegeloberfläche versehen. Außerdem wurde aufwendige Beautytusche betrieben, bei der z.T. jede einzelne Hautpore bearbeitet werden musste, dadurch wurde ein sehr ebenmäßiges Hautbild erreicht. In Photoshop wurden Highlights und Schatten gesetzt und am Kontrast gedreht. Am zwölften und letzten Tag wurde dann noch rechtzeitig alles fertig und zum Printer gesendet.

 

Die nächsten 5 Bilder der Serie wurden ähnlich aber mit erheblich weniger Zeitdruck und einem höheren Budget (dank dem Support von Canon) aufgenommen. 1 Woche Setbau, 3 Shootingtage, 4 Modelle und ein Selbstportrait später war das Werk vollbracht. Eine Menge Arbeit, die sich wenn man die Mirro-Serie betrachtet allemal gelohnt hat.

 

Mirros wurde u.a. für die Sony World Photography Awards 2011 nominiert und wird als Finalist beim World Photography Festival vom 26. April bis 22. Mail 2011 in London zu sehen sein.

 

Mehr zu David Kretschmer auf seiner Homepage: http://www.davidkretschmer.com/

 

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Jenny 03/30/2011 10:00


Sehr interessanter Artikel und beindruckende Fotos. Man glaubt ja gar nicht, dass sich so ein riesen Aufwand hinter solchen Fotos verbirgt.