Für das perfekte Foto- bis zum bitteren Ende

Veröffentlicht auf von photomania.over-blog.de

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Annie Leibovitz ist die Fotografin der Promis von Demi Moore bis Michelle Obama - und wurde so selbst zu einem Star. Dass sie in Berlin ihre Lebensgefährtin Susan Sontag auf dem Totenbett zeigt, halten viele allerdings für eine Geschmacklosigkeit. Sohn David hat schon protestiert.  

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Sie hatte sie alle vor der Kamera: Bill Clinton, George Bush und Barack Obama. Brad Pitt, Johnny Depp und Nicole Kidman. John Lennon und die Rolling Stones. Annie Leibovitz, 59, fotografiert seit mehr als 25 Jahren für Vanity Fair, hatte Hunderte von Titelbildern. Die März-Ausgabe der US-Zeitschrift Vogue ziert eine entspannte Michelle Obama im lila Kleid, natürlich fotografiert von Annie Leibovitz.

 

Immer wieder brachte sie Prominente dazu, vor der Kamera ungewöhnliche Dinge zu tun. Berühmtestes Beispiel: Demi Moore mit nacktem, schwangerem Bauch. Einige ihrer Bilder sind schön und sogar witzig: Leonardo di Caprio mit Schwan um den Hals. Scarlett Johansson als Schlampe mit Strassoberteil und roten Pumps. Und natürlich die Queen, die ungewöhnlich mürrisch im Goldkleid und mit Pelz herumsteht.

Die Schönen, die Reichen, die Mächtigen

Viele ihrer Bilder sind allerdings einfach nur kühl und clever inszeniert. Perfekt, aber kalt und blutleer. Die schiere Größe lässt staunen, die glatte Oberfläche, der Glamour, der von den Stars ausgeht.

 

60 Jahre ist sie alt, bekennende Lesbe, langjährige Lebensgefährtin der Schriftstellerin Susan Sontag. Mit 51 wurde sie zum ersten Mal Mutter, dreieinhalb Jahre später ein zweites Mal mit Zwillingen. Alle drei sind Mädchen: Sarah, Susan, Samuelle. Süße Kinder in rosa und weißen Kleidchen, wie man auf einigen sehr privaten Fotos sehen kann. Gerüchte, dass der Samen von Susan Sontags Sohn stammt und dass männliche Babys schon im Reagenzglas ausgesondert wurden, sind natürlich unhaltbar.

Eine letzte, große Liebeserklärung

Durchaus haltbar aber ist die Kritik an den erschütternden Fotos, die Leibovitz von Susan Sontag machte, als die krebskrank mit dem Tode kämpfte. Auf kleinen Schwarz-Weiß-Fotos ist sie nackt in der Badewanne zu sehen, mit geschundenem Körper, im Krankenbett, nach der Chemotherapie und, schon völlig geschwächt, mit Windel. Traurig ist das, so intim, dass man es lieber nicht gesehen hätte - und doch immer wieder hinschauen muss.

Am Ende zeigt Leibovitz die Freundin auf dem Totenbett: im gefältelten Lieblingskleid, aufgedunsen, mit zerzaustem Kurzhaar und blauen Flecken am Arm von der Infusionsnadel. Hätte sie sich so ausgestellt sehen wollen?

Nein, glaubt Susan Sontags Sohn David Rieff, 56. Er findet, dass Leibovitz seine Mutter "posthum erniedrigt" habe und greift sie massiv an in seinem Buch "Swimming in a Sea of Death". Rieff, das Produkt einer kurzen, schnell erloschenen Teenagerliebe seiner Mutter, ist empört. Leibovitz hätte diese Bilder nicht öffentlich machen dürfen, viel zu intim, zu privat, zu entblößend seien sie.

Leibovitz dagegen sieht die Bilder der kranken und toten Susan Sontag als letzte große Liebeserklärung. "Ich zwang mich, Susans letzte Tage zu fotografieren", sagt sie. "Ich war wie in Trance als ich sie so daliegend fotografierte."

 

Leibovitz Ausstellung im C/o Berlin im Mai diesen Jahres war ein Publikumsmagnet werden. Wer mit Hillary Clinton plaudert und Brad Pitt in Leopardenhosen steckt, der muss einfach toll sein. Einigen wir uns darauf: Sie ist einfach eine gute Fotografin. Nicht mehr und nicht weniger.

 

Quelle: stern.de

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